Was tun bei "schweren Beinen"

Vielleicht hast du ja auch schon mal festgestellt, dass sich deine Beine bei warmen Temperaturen irgendwie schwerer anfühlen als sonst. Aber warum ist das so und was kannst du dagegen tun? Darüber möchte ich dich heute etwas aufklären.



Was bedeutet der Begriff „schwere Beine“

Der häufigste Auslöser für schwere Beine ist ein Versacken von Wasser. Aber wie kann das passieren ?


Der menschliche Organismus besteht zu 80% aus Wasser, allerdings ist diese Wasser nicht einfach nur lose im Körper verteilt, sondern unterliegt einem ausgeklügelten System. Vereinfacht gesagt findet ein ständiger Austausch zwischen dem Gewebewasser und dem Blutkreislauf statt. Während dieses Prozesses wird das Wasser, dass aus den Arterien abgepresst wird, gefiltert, um dann wieder in den Venen aufgenommen zu werden.


Bei diesem Prozess entsteht die Lymphe. Auch das Lymphsystem hängt mit dem Gefühl der schweren Beine zusammen. Dazu kannst du weiter unten mehr Informationen finden.


Um diesen Kreislauf aufrecht zu erhalten, müssen aber verschieden Voraussetzungen erfüllt sein. Ist z.B. der Druck auf die Venen erhöht, können diese nicht so viel Flüssigkeit aufnehmen und ein Teil verbleibt im Gewebe. Bei einem gesunden System sollte kein überschüssiges Wasser im Gewebe verbleiben sondern immer zwischen Arterien, Venen und Lymphe ausgetauscht werden.


Aus Gründen der Erdanziehung verbleibt dieses Wasser vor allem in den Beinen, denn von dort muss das Wasser ja wieder unter Kraftaufwand nach oben Richtung Herzen gepumpt werden. Deswegen haben wir eher schwere Beine, als schwere Arme 😉


Was begünstig eine Wassereinlagerung?

Flüssigkeitsaustausch der Gefäße

Begünstigt wird eine Wasseransammlung in den Beinen durch ganz verschiedene Ursachen. Grundsätzlich ist das Verhältnis zwischen der Abgabe von Flüssigkeit und der Aufnahme von Flüssigkeit zwischen den kleinen Gefäßen, den Kapillaren, gestört.


Die Arterien geben z.B. vermehrt Flüssigkeit ab oder die Venen können nicht so viel Flüssigkeit aufnehmen bzw. es nicht schnell genug zurück "nach oben" transportieren.




Die Ursachen dafür können vielfältig sein:

  • Druck auf die Venen, z.B. durch langes Stehen oder Sitzen (aber auch eine Schwangerschaft kann den Druck auf die Venen erhöhen)

  • Bei Wärme weiten sich die Gefäße und mehr Wasser tritt aus, als aufgenommen werden kann

  • Hormonell bedingt (auch hier kann die Schwangerschaft eine Rolle spielen, aber auch der Zyklus der Frau)

  • Veränderungen im Elektrolythaushalt: Das hat etwas mit der Wasseranziehung verschiedener Elektrolyte zu tun, z.B. Natriumchlorid

  • Wenig Muskelkontraktion: Denn Muskelbewegung ist nötig, um die Gefäßpumpe zu aktivieren

  • Genetische Störungen


Kann das auch etwas schlimmeres bedeuten?


Der pathologische Begriff für Wassereinlagerungen ist Ödem. Ödeme können am ganzen Körper (generalisiert) oder nur an bestimmten Stellen auftreten (lokal).


Wie oben geschrieben, gibt es immer einen Auslöser dafür, dass sich Wasser im Körper ansammelt. Dieser kann harmlos und den äußeren Umständen geschuldet sein, aber auch durch eine Krankheit verursacht werden.


Solltest du öfter unter schweren Beinen und Ödemen leiden, solltest du einen Arzt aufsuchen, denn unter anderem sind folgende Ursachen für Schwellungen verantwortlich:




Was kann mir helfen, wenn ich zu schweren Beinen neige?


Zuerst ist wichtig, dass schwerwiegende Erkrankungen ärztlich ausgeschlossen werden, erst dann sollest du eigene Maßnahmen ergreifen. Es gibt tatsächlich ein paar wirkungsvolle naturheilkundliche Mittel, die dir helfen können.


Kneipp Anwendungen

  • Anwendungen mit kaltem Wasser lässt die Gefäße wieder enger werden und vermindert so den Austritt von zu viel Flüssigkeit - wichtig: nur durchführen, wenn kein generelles Problem mit den Gefäßen besteht

  • Ein Knieguss kann bei schweren Beinen wunder wirken: Dafür mit kaltem Wasser von den Zehenspitzen aufwärts bis zum Knie mit leichtem Wasserstrahl die Beine abbrausen

  • Wechselduschen ist auch eine super Möglichkeit, die Gefäße zu trainieren. Dabei wird beim Duschen abwechselnd mit warmen und kaltem Wasser je circa 30 Sekunden geduscht.

  • Auch das Trockenbürsten gehört zu den Kneipp´schen Anwendungen. Dabei bürstest du deinen Körper von unten nach oben Richtung Herzen mit einer speziellen Trockenbürste (gibt´s z.B in der Drogerie) in kreisenden Bewegungen ab. Das regt den Stoffwechsel und den Lymph- fluss an

  • Nasse Strümpfe: die gibt es z.B. in der Apotheke zu kaufen - du legst diese in kaltes Wasser oder auch einen kalten Kräuterauszug ein und ziehst sie dir dann über. Jetzt die Füße hochlegen und circa 30 Minuten wirken lassen.

Phytotherapie

  • Alle Pflanzen, die entwässernd wirken, sind eine gute Wahl: Brennnessel, Grüner Hafer und Birke

  • Ganz besonders fein bei Ödemneigung: Steinklee - diese Pflanze, die fast überall wächst, hat eine stärkende Wirkung auf die Kapillaren und verhindert so die Durchlässigkeit


Steinklee - hilfreich bei Wassereinlagerungen
Steinklee

Bewegung

  • Bewegung hilft generell, weil die Muskelkontraktion auf die Gefäße wie eine Pumpe wirkt

  • Langes Stehen und Sitzen ist eher kontraproduktiv für die Gefäße und sollte wenn möglich vermieden werden

  • Wenn du in deinem Alltag viel Sitzt oder Stehst, hilft es, ab und zu die Wadenmuskulatur zu anzuspannen und wieder loszulassen, um die Muskelpumpe zwischendurch zu aktivieren

  • Schwimmen ist ein super Sport, wenn du zu viel Wasser im Körper einlagerst, denn der Druck des Wassers von außen aktiviert deine Gefäßpumpe


Yoga


Umkehrhaltungen aus dem Yoga sind die absolute Gefäßpflege. Dabei wird der Gefäßkreislauf entlastet, weil die Schwerkraft genutzt wird um den Blutrückfluss zu erleichtern.

Die Beine sind bei diesen Haltungen immer der höchste Punkt des Körpers, nicht der Kopf - das erleichtert den Rückfluss


Die einfachste Umkehrhaltung, die wirklich fast jeder machen kann, ist "legs up the wall", die du hier auf dem Bild siehst. Diese Übung kannst du auch gerne 10 Minuten oder länger halten - wenn die Beine anfangen zu kribbeln, mach dir keine Sorgen, das zeigt nur, dass der Rückfluss gerade richtig aktiv ist.


Bitte sprich vorher mit deinem Arzt, falls du Probleme mit dem Herzen hast, ob diese Übung für dich durchführbar ist.






Ernährung

  • Wenn du zu Wassereinlagerungen neigst, solltest du auf zu viel Salz in der Nahrung verzichten. Leider steckt Salz ja in vielen Fertigprodukten, daher wäre es ratsam, diese eine Weile zu meiden und stattdessen frisch zu kochen mit Kräutern zu würzen

  • Viel trinken: hört sich erstmal widersprüchlich an aber wenn der Körper noch zusätzlich denkt, er dehydriert, versucht er nur, umso mehr Wasser zu speichern und der Abtransport der Einlagerung wird eher verhindert

  • Vermeide zu viele langkettige Fettsäuren, denn diese werden nicht direkt in die Leber gebracht sondern über die Lymphe transportiert. Zu viele davon kann das Lymphsystem lahmlegen und so auch Wassereinlagerungen begünstigen. Wie mit allem so sollte auch hier eine Balance gehalten werden. Viele langkettige Fettsäuren stecken vor allem in Pflanzenölen.


Manuelle Therapie

  • Lymphdrainage: Eine spezielle Massageform, bei der die Lymphgefäße angeregt werden, mehr Wasser aufzunehmen und weiter zu transportieren.

  • Schröpfkopfmassage: Auch der Unterdruck der Schröpfgläser aktiviert die Lymphgefäße und somit den Wassertransport


Sonstiges

  • Nicht Rauchen, denn das schadet den Gefäßen

  • Kein eindrückendes Schuhwerk oder Strümpfe tragen - im Sommer sind tatsächlich einfache Schlappen die beste Wahl, oder Barfuß :)


Ein kleiner Exkurs: Lymphödem


Das Lymphsystem ist eine Art Müllabfuhr des Körpers und eng mit dem Wassertransport verbunden, daher kann auch ein nicht intaktes Lymphsystem dazu führen, dass du an bestimmten Stellen Ödeme bekommst.


Die Lymphgefäße nehmen die Restmenge Gewebeflüssigkeit, die beim Gefäßaustausch entsteht, auf, reinigen es über die Lymphknoten und führen es dann dem Blutkreislauf zurück.

So befördert es täglich ca. 10 Liter Lymphe (so nennt man diese Flüssigkeit, die neben Wasser auch Eiweiße, Fette, Zellen und Bakterien enthalten kann).

Das Lymphsystem ist übrigens auch Teil des Immunsystems, weil es Krankheitserreger aufnehmen und eliminieren kann.


Es kann wie ein "normales" Ödem generalisiert oder lokal auftreten.


Wichtigste Abgrenzung ist, dass das Ödem nicht eindrückbar ist und die Zehen mit betroffen, also auch dicker, sind (sogenannte Kastenzehen).


Einen Beitrag zur Aktivierung der Lymphe werde ich demnächst verfassen und online stellen, falls dich das interessiert, schau gerne vorbei.




Vielleicht kannst du jetzt besser verstehen, was in deinem Körper vor sich geht und warum sich deine Beine manchmal schwerer anfühlen als an anderen Tagen und kannst nun hoffentlich besser damit umgehen.


Alles Liebe,

Lis




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